Geschichte

Geschichte Grimselpass

Frühzeit

Der Alpenübergang vom Oberhasli ins Goms war vermutlich schon den Ureinwohnern bekannt (kelt. Funde bei Guttannen). In römischer und frühgermanischer Zeit war dieser Alpenübergang bereits ein Handelsweg.

Der Name Grimsel geht wahrscheinlich zurück auf Grimiso, d.h. Grundstück des Grimo. Der Vorname änderte sich im Gallischen (wurde ehem. im Wallis noch gesprochen) zu Grimiso. Das Walliser Dorf bei Sion heisst vermutlich aus ähnlichem Grund Grimisuat.

Mittelalter: Nord-Süd-Verkehr

Im Mittelalter spielt die Grimsel eine bedeutende Rolle für den Nord-Süd-Verkehr. Von Brugg via Luzern ist dies die kürzeste Linie nach Mailand. Vorteil gegenüber der Gotthard-Route: es gibt keine Hindernisse wie z. B. der “stiebende Steg” in der Schöllenen. Nachteil gegenüber Gotthard-Route: keine Ein-Pass-Routen nach Italien und topografisch schwieriges und steiles Gelände. Bern überlässt die Alpenüberquerung der dortigen Bevölkerung und betreibt keine aktive Verkehrspolitik – was Misserfolge erklärt.

1211: Erste urkundliche Erwähnung der Grimsel
Berchtold von Zähringen (Stadtgründer von Bern) überquert den Pass mit seinen Truppen um einen Raubzug ins Oberwallis zu führen (gemäss Hist. biogr. Lexikon wurde dabei jedoch der Lötschenpass überquert.)

1382
Leute der Talschaft Ober-Hasle vom Geschlecht Bubenberg kaufen die Grimselalp.

1397: Sicherung der Handelsroute (erstmals wird das Grimsel Hospiz erwähnt)
Die Handelsbeziehungen werden geregelt. Ein Vertrag zwischen der Stadt Bern und Leuten aus dem Berner Oberland, Oberwallis, Pommat und Eschenthal wird abgeschlossen, welcher den Ausbau und die Sicherung des Weges über den Spital an Grymslen (und weiter über den Griesspass) regelt. Für den Unterhalt des Weges, werden Zölle in Guttannen und beim Hospiz erhoben. Der Handelsverkehr über die Grimsel erfolgt per Säumerkolonnen über die Sprinzroute und ist gut organisiert. Rund 200 Saumtiere stehen jede Woche im Einsatz. Auf der Strecke gibt es mehrere Susten, welche der kurzfristigen Lagerung von Transportgütern dienen. Die Säumer-Ordnung verpflichtet die Gemeinden den Weg über die Grimsel offen zu halten.

Es wurden folgende Waren gehandelt:
Aus dem Süden: Reis, Wein, Mais, Öl, Gewürze
Aus dem Norden: Käse (Sprinz), Häute etc.

Kriegszüge

1419: Raronkrieg
Ein Berner Heer zieht über die Grimsel und erleidet bei Ulrichen eine Niederlage gegen die Walliser. Auf dem Rückweg kommt es beim Grimsel Hospiz erneut zur Schlacht.

1425
Wiederum überquert ein Berner Heer die Grimsel zum “Entsatz” (Befreiung) der in Domodossola eingeschlossenen Schwyzer.

Totensee
Dieser wird schon von Gottlieb Sigmund Gruner 1760 so genannt. Der Name stammt demnach von der einsamen und wilden Lage.
Die Legende erzählt, dass der Name des Totensees entstand, als die Franzosen 1799 gegen die Österreicher kämpften und die Leichen der Gefallenen angeblich in den See geworfen wurden. (Nächster Abschnitt)

Kampf Franzosen – Habsburger auf der Grimsel
Die Österreicher lagern zwischen Grimselsee und der Passhöhe und versperren den Franzosen in Guttannen den Weg über den Pass. Ein einheimischer Wirt führt einen Teil der Franzosen über einen Schleichweg (via Nägelisgrätli) auf den Pass, worauf die Österreicher von zwei Seiten angegriffen werden und viele Tote zu beklagen haben.

Gletscherforschung

Die neuenburger Gletscherforscher Agassiz, Vogt, Nicolet etc. weilen in den 1840er Jahren während mehreren Jahren ziemlich oft im Grimsel Hospiz. Zu dieser Zeit entsteht auch das Hôtel des Neuchâtelois am Unteraargletscher.

Strasse & Verkehr

Ende 19. Jahrhundert: Grimselbahn
Das Projekt Grimselbahn existiert zu dieser Zeit bereits und der englische Ingenieur, George Stephenson, beschäftigt sich mit dem Studium des Trassees. Das Projekt wird jedoch von der Gotthardbahn verdrängt und nicht weiterverfolgt.

1873 – 86
Bau der Strasse Meiringen-Guttannen

1885: Gotthardbahn
Durch die Eröffnung der Gotthardbahn wird die Säumerei über die Grimsel stillgelegt. An ihrer Stelle kommt der Touristenverkehr auf.

1891 – 95: Grimselstrasse
Die Passstrasse bis Gletsch wird von den Kantonen Bern und Wallis mit Bundessubventionen (in der Höhe von zwei Dritteln der Kosten) gebaut und dem Verkehr 1895 übergeben. Die Fahrstrasse ist 4.2 Meter breit. Der Grimselsee wird an der schmalsten Stelle überquert und in zwei Hälften geteilt.

Um 1900: Tourismusentwicklung
Die Grimselstrasse gilt neben dem Simplon als eine der schönsten und von Touristen am meisten frequentierte der Alpen. Die Strasse führt durch schiefrige Gneise sowie Schiefer und Gneisgranit. Die Vegetation ist üppig, dies dank einer sehr hohen Niederschlagsrate und der gleichzeitig starken Föhneinwirkung. Das Hotel Grimsel Hospiz ist Ausgangspunkt für viele Exkursionen.

1921: Postauto
Das Postauto löst die Postkutsche ab und verkehrt über den Grimselpass.

 

Grimselpassstrasse, im Hintergrund der „Posthüttlicher“ und die zwei Talsperren Spittallamm (rechts) und Seeuferegg (links)

Geschichte altes Grimsel Hospiz

Das erste Hospiz war wahrscheinlich eine mittelalterliche Stiftung der Lazariter (ihnen gehörte die Kirche Meiringen) oder des Augustinerklosters Interlaken.

1397: Erste urkundliche Erwähnung
Das Hospiz dient der Sicherung der Handelsroute über die Grimsel. Ein Vertrag für den Ausbau und zur Sicherung des Weges über den Spital an Grymslen (und weiter über den Griesspass) wird zwischen der Stadt Bern und Leuten aus dem Berner Oberland, Oberwallis, Pommat und Eschenthal abgeschlossen. Demzufolge existierte bereits zu dieser Zeit ein “Spital”, d.h. ein Schutz- und Unterkunftshaus.

1474: “Bättelbrief” (im Staatsarchiv)
Das Hospiz wird vor der Reformation wahrscheinlich von Mönchen bewohnt. Nach der Reformation wählt die Landschaft Oberhasli einen Verwalter (Spittler). Dieser muss bedürftige Reisende unentgeltlich beherbergen. Im Winter darf er mittels “Bättelbrief” Gaben für den Unterhalt einsammeln lassen. Diese Kollekte wird jedoch wegen Betrügereien wieder verboten.

1544: Schlechte Herberge
Der Chroniker Johannes Stumpf berichtet über das Grimsel Hospiz: “Ein schlechte Herberg ists, aber da findt man gemeinlich gut Weyn, den bringend die Söumer übers Gebirg auss Eschental und Walliss…”. Kartenspiel und Trank bis zum Exzess gehören in dieser Zeit zum Grimsel Hospiz.

1547 – 57: Umbau
Erster bekannter grosser Umbau des Hospizes mit mehreren Erweiterungen.

1799: Neuaufbau
Das Grimsel Hospiz ist nach den Kriegswirren in schlechtem Zustand und wird mehr oder weniger neu aufgebaut.

1822: Vergrösserung
Das Grimsel Hospiz wird vom damaligen Spittler Jakob Leuthold vergrössert (geräumiger Speisesaal und 15 Schlafzimmer). “Mit einer von aussen zum 1. Stockwerk führenden steinernen Treppe erhielt das ganze Gebäude ein gefälligeres Aussehen”.

1838: Lawine
Das Grimsel Hospiz wird von einer Lawine verschüttet, das Dach weggerissen und alle Zimmer bis auf jenes des Grimselknechts und seinem Hund mit Schnee gefüllt. “Beim Wiederaufbau wird das Hospiz auf der Seite gegen die Passhöhe mit einem aus Granitquadern gefügten turmartigen Vorbau als Schneebrecher versehen, der in seinem untern Teil bis zur Stauung des Grimselsees zu erkennen ist.”

1852: Brand
Der damalige Pächter Peter Zybach lässt das Hospiz durch seine Winterknechte in Brand stecken, da er befürchtet, sein Vertrag würde nicht verlängert. Der Betrug wird schnell aufgedeckt und Zybach zum Tode verurteilt. Zybach wird jedoch begnadigt und erhält zunächst Kettenhaft, danach 20 Jahre Landesverweis. Der Fall Zybach wird in ganz Europa bekannt.

1853: Wiederaufbau
Das Hospiz wird wiederaufgebaut und erhält mehr oder weniger die alte Gestalt. Bis 1902 folgen diverse Anbauten und Erweiterungen.

1902: Umbau zu Grimselhotel
Das Grimsel Hospiz wird zusammen mit dem Wirtshaus Handeck an E. Liesegang-Perrot (Privatperson) verkauft und in einen Berggasthof umgebaut.

1909: Verkauf
Die Gesellschaft Bernische Kraftwerke (BKW) erwirbt die ganze Grimsel-Besitzung zwecks Bau eines Stausees im Aarboden.

1925
Das Projekt der BKW wird in der bernischen Volksabstimmung angenommen.

1928
Das alte Grimsel Hospiz versinkt im Grimselsee.

 

Geschichte neues Grimsel Hospiz und Kraftwerke

1906: Konzessionserwerb
Die Bernischen Kraftwerke (BKW) erwerben die Konzession zur Ausnützung der Wasserkräfte an der Aare. Ein Niederschlag- und Abfluss-Beobachtungsdienst wird eingerichtet, welcher wertvolle Daten für die spätere Erarbeitung des Konzessionsprojekts liefert.

1920: Generelles Konzessionsprojekt
Das Bureau Narutowicz, erarbeitet unter Einbezug des geologischen Gutachtens von Prof. Alb. Heim und P. Arbenz, ein Projekt, welches später als Grundlage für die Studien von A. Kaech und dem dreistufigen “Projekt 1922” dient.

bis 1924: Ausarbeitung des Projekts
Die 1. Staustufe umfasst den Grimselsee mit den beiden Staumauern Spitallamm und Seeuferegg sowie den über 5 km langen Verbindungsstollen zum Gelmersee, welcher ebenfalls zu einer Sperre aufgestaut wird und als weiteres Wasserreservoir dient. Das Projekt wird an der KABA in Burgdorf 1924 ausgestellt, Projektverfasser ist Oberingenieur A. Kaech von der BKW. Das Projekt wird einer Expertenkommission vorgelegt und gutgeheissen.

1925: Gründung einer Aktiengesellschaft
Am 20. Juni 1925 wird die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) gegründet.

Staatsanleihe
Am 25. April 1925 bewilligt der Kanton Bern der KWO mittels Abstimmung eine Staatsanleihe über 12 Millionen Franken.

Stand 1927
Bau der 1. Stufe: Kiesaufbereitungs- und Betonieranlagen, dazu Vorsortier- und Steinbrecheranlage. Die Sortieranlage sowie die Silos für Sand, Kies und Zement, wie auch die Betonieranlage sind in einem grossen Gebäude aus Eisenfachwerk zu oberst am NW-Abhang des Grimsel-Nollens untergebracht. Auf dem Gipfel des Nollens thronen vier grosse Betonmischer für den Bau der Spitallammsperre. Die Betonierarbeiten für die Staumauer an der Seeuferegg haben begonnen. Die Staumauer am Gelmersee ist fertig gestellt. Der Materialtransport erfolgt per Standseilbahn Handeck. “Für alle Hochbauten befleissigte sich die Bauleitung grosser Sachlichkeit bei dauerhaftester Ausführung in Granitmauerwerk der Sichtflächen und Eisenbeton für die innern Konstruktionen.”

1928: ‘Fest der Arbeit’
Die Ludwig von Roll’schen Eisenwerke AG Gerlafingen (spätere Von Roll AG) inszeniert einen festlichen Anlass. Dabei verweist A. Kaech darauf, dass zum ersten Mal für alle wichtigen Teile der Installationen ausschliesslich Erzeugnisse schweizerischer Industrie verwendet wurden, keine ausländischen Fabrikate.
Das neue Grimsel Hospiz steht im Rohbau.

1934
„Das neue Grimsel Hospiz steht organisatorisch in keiner Beziehung zum Werk, doch war der Ersatz des alten Hospizes durch einen Neubau eine der Bedingungen, die bei der Übertragung der Konzession aufgestellt wurden. Der Neubau hat nicht mehr den ehrwürdigen Charakter der alten Passherberge, es ist ein Luxushotel geworden, das dem Geschmack der Autoreisenden angepasst ist. Gerade in der grossartigen Natur des Hochgebirges ist man für alle Effekte der Aufmachung doppelt empfindlich und schon die beiden vorgebauten runden Erker wirken als eine ein wenig spielerische Verunklärung der kubischen Form. Im Übrigen ist der Hotelaufwand, zu dem der Architekt nun einmal verpflichtet war, im Äusseren relativ diskret vorgetragen und im Ganzen ist die Baumasse auf dem lawinensicheren Nollen gut disponiert“. – Die häufigen abgeschrägten Fensterleibungen wie beim Engadinerhaus ergeben sich offenbar durch die Dicke der Granit-Mauern. „Alle Fremdenzimmer sind mit Tannenholz getäfert, haben Bodenbelag aus Korkplatten, elektr. Heizung, fliessendes Wasser…auch die untere Halle und die Wirtschaft haben Tannentäfer…Treppe mit Gummi belegt“. „Das Mauerwerk und die Blechdächer erfordern peinlich genaue Ausführung, da die ungeheure Windstärke des Hochgebirges Regen und Schnee in die unscheinbarsten Fugen treibt“. „Für die hier sehr deplacierten Perserteppiche ist der Architekt nicht verantwortlich“. „Halle und Speisesaal ganz mit Arvenholz getäfert. Eine raffinierte Beleuchtungsanlage ermöglicht die verschiedensten Lichteffekte, die ein vom Kino verdorbenes Reisepublikum offenbar nicht einmal hier entbehren kann“.
Zitate aus dem Schriftstück „Das Werk“

2007 – 2009: Renovation
In Absprache mit der Denkmalpflege wird das Grimsel Hospiz vom Architekten Andrin Schweizer sanft renoviert. Zugunsten des Naturschutzes und dem BLN-Schutzgebiet (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung) werden die Gebäude auf dem Nollen reduziert. Die Fassade aus denkmalpflegerischen Gründen so saniert, dass sich das Erscheinungsbild nicht verändert. In allen Räumen und Sälen wird die Geschichte des Hauses bewahrt. Das gesamte Haus wird umweltschonend mit der Abwärme aus der Stromproduktion beheizt.

2010: Winterruheoase
Erstmals übernachten Gäste in der Winterruheoase Grimsel Hospiz.